Mittwoch, 23. April 2014

Rhabarberträume

Es gibt ein paar Dinge, die gehören für mich im Laufe eines Jahres einfach dazu. Sie stehen sozusagen auf meiner Pflicht-Gebäck-Liste. Weihnachtsplätzchen, Osterausstecher, Geburtstagskuchen. Und jedes Jahr im Frühjahr, noch bevor die Erdbeerzeit so richtig startet, wenn der erste Spargel geerntet wird, gibt es bei mir Rhabarberkuchen. Nach meinem Lieblingsrezept. 
Ich habe drei Anläufe gebraucht, bis ich in meinem Viertel endlich einen Supermarkt gefunden habe, der Rhabarber anbot, aber jetzt steht sie endlich vor mir, die perfekte Rhabarber-Vanille-Tarte. Aber wie Shakespeare - der heute übrigens seinen 450. Geburtstag feiern würde -  schon sagte: "Wer aus dem Weizen einen Kuchen haben will, muss das Mahlen abwarten." 



Und weil ich mir ziemlich sicher war, dass ihr das Rezept schon kennt, habe ich mal einen Blick ins Archiv geworfen und zu meiner Erheiterung festgestellt, dass ich besagte Tarte genau vor einem Jahr schon einmal gebacken habe. Wie der Zufall so spielt… 
Weil das Rezept aber so gut ist, habe ich nichts daran verändert, sondern genau so wieder gemacht. Ein Rhabarbertraum! 



Da ich ein paar Stangen übrig hatte und heute Morgen in meinem Facebook-Feed das Rezept für Rhabarbersirup von "Schön & Fein" aufgetaucht ist und mir das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ, setzte ich gleich noch einen Topf mit Zuckerlösung auf und köchelte den Rhabarber ein. Weil mein Rhabarber doch recht sauer (und auch nicht so schön pink) war, erhöhte ich die Zuckermenge geringfügig. 

Der Rhabarbersirup wird beim Mädels-(Fussball)-Abend später mit Sekt aufgegossen (Mädelsabend deshalb, weil die Herren der Schöpfung scheinbar andere Pläne haben - wohl wissend, dass bei uns auch Champions League laufen wird). Freu mich schon drauf, auch wenn heute eigentlich Tag des Bieres ist. 

♥sabrina


Freitag, 18. April 2014

Aller guten Dinge sind drei {mit Rezept}

Aller guten Dinge sind drei. Good things come in three. Dieses Sprichwort ist nicht ohne Grund so weit verbreitet. Die besten Filme sind Trilogien. Der Herr der Ringe. Der Pate. Zurück in die Zukunft. Sissi. 

Aber auch aus anderen Bereichen fallen mir da auf Anhieb noch ganz viele Sachen ein, die die Zahl Drei inne haben. Die drei ???. Die drei Musketiere. Die drei kleinen Schweinchen. Und Charlie hatte drei Engel. Es gibt drei Grundfarben. Und es gibt ja auch noch diese - zugegebenermaßen blöde, aber irgendwie doch logische - Drei-Tage-Regel



Und dann gibt es Gebäcke, die aus zwei Komponenten bestehen, aber erst durch eine dritte zu etwas Unglaublichem werden. Diese Cupcakes zum Beispiel. Äußerlich Schoko-Erdnuss. An sich schon eine tolle Kombination. Aber wenn man dann den ersten Bissen nimmt und auf den Kern aus Salzkaramell stößt, wird aus etwas Gutem etwas ganz Besonderes. 



Für den Boden habe ich zu meinem altbewährten Devil's Food-Rezept gegriffen und die Hälfte der Masse gemacht, um 6 Cupcakes zu bekommen. Für den Karamellkern in einem trockenen Töpfchen 50 g Zucker ohne Zugabe von Wasser zu einem mittelbraunen Karamell geschmolzen, dann stückchenweise (Vorsicht! Es blubbert!) 20 g Butter und eine gute Prise Fleur de sel zugegeben. Von den Cupcakes habe ich oben in der Mitte mit einem spitzen Messer ein kegelförmiges Loch geschnitten, die Abschnitte genascht und den Karamell auf die sechs Cupcakes verteilt. {So wie bei den Mars-Cupcakes von Miri's Kitchen.}

Für die Buttercreme habe ich ein Ei (50 g) mit 80 g Zucker aufgeschlagen, parallel dazu 250 g Butter schaumig gerührt, dann langsam die Eimasse darunterlaufen lassen. Zum Schluss habe ich ca. 125 g gesalzene Erdnussbutter mit Stückchen daruntergerührt und die Creme auf die Cupcakes dressiert. Zugegeben, ein bisschen weniger Creme hätt's auch getan. 

Und wisst ihr, was auch eine schöne Dreier-Kombi ist? Drei Tage frei wegen Ostern! Yay! ;) 

♥sabrina




Montag, 7. April 2014

Sie DARF kochen!

Erinnert ihr euch eigentlich noch an dieses nette Werbevideo aus der Zeit, als sich Frauen noch glücklich schätzen konnten, weil sie backen durften? Und dass es "erstaunlich [ist], was ein Mann essen kann, wenn er verheiratet ist"? 

Nun, in meinem Twitter-Feed tauchte gestern wieder eine frohe Werbebotschaft aus der Vergangenheit auf, die heutzutage als frauenfeindlich eingestuft würde und die mich sofort an das schöne Puddingpulver-Video denken ließ, in dem es heißt: "Eigentlich hat SIE es ja viel besser als ER. Sie DARF backen!" 





Und der Frau, die mit der neuen Küchenmaschine kochen DARF, geht es dann wohl so ähnlich. Dazu sind Ehefrauen ja schließlich da. 

In diesem Sinne: "Es macht Spaß, zuzusehen, denn: Backen macht Freude."

Kennt ihr auch Werbeplakate oder -filme zum Thema Kochen und Backen aus einer Zeit, in der die Diskriminierung der Frau kein Ding der Unmöglichkeit war? 

♥sabrina

Sonntag, 6. April 2014

Rezept // Pancakes

Als Kinder haben wir die Schlafenszeit verflucht und uns gewünscht, der Tag möge kein Ende nehmen. Mittagsschlaf war eine Qual, Zubettgehen am Abend ein Drama. Schlaf - welch Zeitverschwendung.

Heute sehe ich das anders. Mit Arbeitszeiten, die dem Rhythmus der meisten Mitmenschen gegenläufig sind, und einer körperlichen Belastung, die die der besagten Mitmenschen häufig weit überschreitet, ist Schlaf wohl für jeden, der im Gastgewerbe arbeitet, ein kostbares Gut.


Umso schlimmer, wenn man dann im Bett liegt, hundemüde ist, spürt, wie die Lider immer schwerer werden… - und der Verstand geistige Pirouetten dreht und einen davon abhält, ins Land der Träume zu versinken. So geht es mir jetzt gerade. 

Und da ich nun schon wieder praktisch so gut wie hellwach bin (solange ich kein Körperteil außer meiner Finger bewegen muss), dachte ich mir, ich blogge einfach ein bisschen. Und nasche nebenbei Kekse, trinke Milch und wärme mir die Füße an meiner kleinen Wärmflasche mit der kleinen Giraffe, die ein Gesicht wie eine Kuh hat. {Merkt man eigentlich schon, wie müde ich eigentlich bin?} Das Rezept, das ich heute mit euch teile, hätte eigentlich schon heute morgen online gehen sollen, aber als ich gestern (bzw. heute) von der Spätschicht nach Hause kam, war ich - Überraschung - zu müde, um mich noch an den Computer zu setzen und zu schreiben. Deshalb gibt es statt Sonntagsfrühstück jetzt für euch eben Pancakes zum Montagsfrühstück - oder ganz spontan als Mitternachtsimbiss für alle, die nicht einschlafen können. Lasst es euch schmecken und gute Nacht! 



Pancakes für Jederzeit und Alletage 

100 g Milch 
1 Ei 
25 g Öl
30 g Zucker 
90 g Mehl 
2 Messerspitzen Backpulver

Zuerst die flüssigen Zutaten mit dem Schneebesen gut mischen (leicht anschlagen), Zucker unterrühren, zum Schluss Mehl und Backpulver zugeben und ebenfalls gut untermischen. Nach Bedarf mit Vanille, Zimt, Orangen- und Zitronenzesten oder Gewürzen nach Wahl aromatisieren. 
Jeweils einen bis zwei Esslöffel der Masse in einer heißen Pfanne in Butter oder Öl ausbacken, zwischendurch vorsichtig wenden, bis die Pancakes von beiden Seiten goldgelb sind. 

Mit Ahornsirup, Karamell-, Frucht- oder Schokosoße oder Zimtzucker servieren! 

{Wer die französische Küche der amerikanischen vorzieht, mag vielleicht lieber hauchdünne Pfannkuchen zum Frühstück… ?}

♥sabrina 

Freitag, 4. April 2014

Der ganze Stolz (m)einer Mutter

Meine Mutter hatte schon immer ein Talent dafür, der Welt zu zeigen, wie stolz sie auf ihre Kinder ist. Als mein älterer Bruder seine Ausbildung zum Koch machte und wir eines abends in seinem Lehrbetrieb ein leckeres Drei-Gang-Menü verspeisten, machte er den Fehler, kurz aus der Küche herauszuschauen um zu sehen, ob es uns schmeckte. 

Darauf sprang meine Mutter auf, klatschte vor Begeisterung in die Hände und rief - zur Verwunderung und zum Amüsement der anderen Gäste - voller Stolz und in bestem Schwäbisch: "Mein Bua*! Und er hat eine weiße Kochjacke an!" Abgesehen davon, dass es ihm in dem Moment wohl etwas peinlich war, dass nun alle Gäste nicht nur nach der Quelle des Tumults Ausschau hielten, sondern auch seine Uniform peinlich genau nach Flecken absuchten, hat sich dieser Satz im Laufe der Jahre zu einem running gag in meiner Familie entwickelt. 



So gesehen bin ich verhältnismäßig gut weggekommen - wenn ich während meiner Ausbildung mal einen Blick aus der Backstube heraus gewagt habe, hat sie mich zwar immer stolz angestrahlt, es gleichzeitig jedoch vermieden, die Aufmerksamkeit der übrigens Café-Besucher auf mich zu ziehen. 

Am Mittwoch dann waren meine Eltern, meine Oma und ich gemeinsam essen im Gasthaus Hotel Adler, einem tollen, ursprünglichen Restaurant in der Nähe meiner Heimatstadt. Meine Eltern ließen sich den ersten Spargel der Saison schmecken, meine Oma schwelgte in Erinnerungen über die Leber, die sie verspeiste und ich ließ mir ein feines Lamm auf der Zunge zergehen. Das Essen war ein Traum und ich wusste (von früheren Besuchen), dass mich auch der Nachtisch nicht enttäuschen würde. 



Und gerade, als ich bestellen wollte, erklärte meine Mutter hinter vorgehaltener Hand und in verschwörerischem Unterton: "Meine Tochter ist nämlich gelernte Konditorin und arbeitet in der Dessertküche eines Fünf-Sterne-Hotels in München!" 

Da war er wieder, der Moment, um in den Boden zu versinken. Der leicht besorgte Blick des Kellners, wie er sich nur auf den Gesichtern von Gastronomen widerspiegelt, die das Urteil anderer Gastronomen ehrfürchtig erwarten. Die vorsichtige Geste, mit der der Teller vor mir platziert wurde. Das zaghafte Nachfragen, ob alles recht sei. Und die Erleichterung, als ich strahlend erkläre, wie toll die Dessertvariation aus Rotwein-Sorbet, Schokomousse, Nusskuchen, Obst und Maracuja-Panna Cotta doch schmecke. 

Zusammenfassend sollte ich wohl sagen: das Dessert war - wie auch der Hauptgang - ein Gedicht und auch wenn sie manchmal für komische Blicke sorgen, sind die spontanen Stolzes-Bekundungen meiner Mutter doch immer eine nette Überraschung für alle Beteiligten. Und da ja bekanntlich jede Tochter irgendwie auch wie ihre Mutter wird, werde ich später wahrscheinlich meinen Stolz mal genauso in die Welt hinausposaunen. :) 

♥sabrina

{* = schwäbisch für "Junge"}

Dienstag, 25. März 2014

365 Tage Zimtzauber & Zuckernebel

Erinnerungen sind schon etwas Seltsames. Wenn ich auf die Vergangenheit zurückblicke, scheine ich oft nur an die positiven Dinge zurückzudenken. Wenn ich jetzt an mein Studium in Neuseeland zurückdenke, scheint es nur sonnige Tage am Strand zu geben. Regentage, Liebeskummer, Heimweh und Prüfungsstress kommen mir nicht in den Sinn - obwohl meine Tagebücher von damals eindeutig belegen, dass es auch schlechte Tage gab. London erscheint mir in meiner Erinnerung als eine pulsierende Stadt voller Leben, ich denke Stadtspaziergänge bei Frühlingswetter und spannende Museumsbesuchen - nicht jedoch an die langweilige, unzufriedenstellende Arbeit und das schlechte Essen, die meinen Alltag bestimmten. 

Und wenn ich daran denke, was vor einem Jahr war, fällt es mir schwer zu glauben, dass ich kurz vor dem Ende meiner Ausbildung im Dauerstress war und nichts anderes im Kopf hatte als die Frage, ob eine Sahnetorte ein zu großes Risiko für eine Prüfungstorte sei oder ob ich nicht lieber auf Nummer Sicher gehen und zur altbewährten Buttercreme-Torte mit Massa-Überzug zurückkommen sollte. 



In diesem Jahr ist auf dem Blog und in meinem Leben viel passiert. Ich entmystifizierte das Macaron, teilte mit euch meine drei Lieblingsrezepte mit Matcha, Lemon Curd und Champagner und zeigte euch, wie Macaron-Schalen meiner Pazifik-Torte einen zusätzlichen optischen Reiz verliehen.  
Der Frühsommer startete dann mit einem kleinen Workshop in Tortenbau-Kunde. Die Open Air-Saison wurde eingeläutet und mit ihr stellte ich euch meine Eis-am-Stiel-Kuchen vor, für die ich erst kürzlich wieder ein neues Rezept kreierte. 

Im Juli kam dann der Tag, auf den ich so lange hingearbeitet wurde: meine Gesellenprüfung, bei der ich mein Können unter Beweis stellen konnte und Kammersiegerin wurde. Danach konnte ich endlich wieder frei von der Seele weg Cupcakes backen und mich auf Wohnungssuche begeben. Im Herbst, als ich mich bereits in München eingelebt hatte, wagte ich mich schließlich an Cake Pops. Den Weihnachtstrubel genoss ich in vollen Zügen - auch wenn ich ihn auf dem Blog schlichtweg ausließ - und in das neue Jahr startete ich voller Optimismus mit Zimtschnecken und Vanillecupcakes. Die gute Laune bekam schon bald einen kleinen Dämpfer, als die München-Lethargie um sich griff und nur noch mit Cookies in Schach gehalten werden konnte. 

Seitdem war dieses Jahr gefühlstechnisch ein ewiges Auf und Ab -  genau wie mein Valentins-Menü. Angeblich aber geht es derzeit allen Menschen so. Grund dafür soll das Uranus-Pluto-Quadrat am Firmament sein und weil der Mensch an irgendetwas glauben muss, glaube ich jetzt einfach mal dran (und auch daran, dass nach Ostern alles besser werden soll) - und schaffe mir weiter schöne Momente am Sonntagmorgen

Auf ein neues Jahr Zimtzauber & Zuckernebel! 

♥sabrina