Sahne von Hand schlagen und andere Angebereien // Wanderbuchaktion

Angeben kann man in der Küche oft schon mit einfachen Mitteln. Indem man die Sahne von Hand aufschlägt, zum Beispiel. So wie ich heute. Wollte ich nur mal so erwähnt haben, ganz am Rande.  



Der Grund für meine Angeberei ist euch wahrscheinlich längst bekannt: meine Bambrina-Double-Blogging-Partnerin Rebecca von "Bambi backt" hat vor einiger Zeit ein Buch auf die Reise durch Deutschland geschickt, das von Blogger zu Blogger wandert und aus dem auf jeder Station jeweils ein Rezept nachgebacken wird. Passenderweise handelt es sich bei diesem Wanderbuch um Ruth Moschners "Backen für Angeber(innen)". 

Bei mir ist das Buch letzte Woche eingetrudelt und seitdem war ich ganz schön im Stress. Wie ihr vielleicht wisst, bin ich in meinem neuen Job voll durchgestartet und habe ein Killer-Wochenende hinter mir. Zum privaten Backen habe ich derzeit eigentlich weder Lust noch Zeit. ABER auch hier schafft das Wanderbuch Abhilfe. Praktischerweise befasst sich das erste Kapitel nämlich mit Rezepten, die nicht gebacken werden. Fast Food aus der Backstube, sozusagen. 

Gerne hätte ich den scharfen Mangostrudel oder die Chalöttchen nachgebacken, aber - hauptsächlich aus Zeitgründen - letzten Endes dann doch "Schicht im Schacht" zu meinem Motto gemacht. Passt doch irgendwie auch als Abschluss eines langen Arbeitstages, findet ihr nicht? 



Das Original-Rezept für 6 Portionen des Schichtdesserts habe ich nicht nur drastisch gekürzt (zwei Törtchen sind für meinen Single-Haushalt durchaus ausreichend), sondern auch ein wenig abgewandelt, weil mir der Sinn nach mehr stand. Hier also meine Version: 


Schicht im Schacht (nach Acht)  


Unterste Schicht: 

2 Digestif-Kekse mit Schokoboden 
10 g Butter, flüssig

Mittlere Schicht: 

2 Becher griechischer Joghurt
1-2 EL Akazienhonig

Einlage: 
250 g Blaubeeren (TK) 
etwas Zitronenabrieb 

i-Tüpfelchen: 
40 g Schlagsahne 

Dekor nach Belieben 

Im Original-Rezept verwendet Frau Moschner Shortbread-Kekse. Ich liiiieeeebe ja Shortbread, aber seit Neuseeland habe ich keine richtig guten mehr gefunden, deshalb habe ich - in England dann - diese Digestif-Biskuits entdeckt, die allen Cheesecake-ähnlichen Produkten einen besonderen Kick geben. Also: Kekse nach Wahl zerkrümeln und mit der flüssigen Butter mischen. Mithilfe eines Löffels in zwei Dessert-Gläser drücken. 

Sahne steif schlagen. (Das ist mein Einsatz: Damit ich trotz dieses super-einfachen Rezeptes ein bisschen angeben konnte, blieb die KitchenAid aus und ich griff stattdessen zum Handbesen. Na ja. Und weil ich keine Lust hatte, den großen KitchenAid-Kessel später extra wegen zwei kleiner Gläschen zu spülen...). 

Ich habe den Joghurt mit dem Honig vermischt, etwas Zitronenschale dazugerieben und dann alles bis auf 3-4 EL auf zwei Gläser verteilt. Tiefgefrorene Blaubeeren obenauf, den restlichen Joghurt unter die Sahne gehoben und ein kleines Häubchen auf die Beeren gesetzt. Garniert, zum Löffel gegriffen, geschlemmt. 

Mein Fazit: ein schnelles Rezept, das sich gut abwandeln lässt. Ob ich damit unter meinen Pâti- und Kondi-Kollegen angeben könnte, sei allerdings mal dahingestellt. 



Und zum Buch: 
Das Layout gefällt mir sehr gut, was sicherlich daran liegt, dass die Seiten in meinen Lieblingsfarben gehalten wurden. Die Rezepte an sich sind alle basic und für Anfänger sicherlich sehr gut geeignet. Ich persönlich fühle mich allerdings fast schon ein wenig unterfordert. Der Schreibstil ist witzig und macht schon von der ersten Seite Spaß auf mehr. 
Andererseits muss man auch sagen, dass ein paar Dinge zu wünschen übrig lassen. Das "Chalöttchen"-Rezept, zum Beispiel: Die Zutaten für die Füllung und Einlage werden genau angegeben - aber dann heißt es: "6 kleine Biskuitböden". Zunächst einmal hätte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, wo man 6 kleine Biskuitböden herbekommt. Zweitens müsste man einen großen Biskuitboden (wird im Buch als Alternative für die 6 kleinen Böden vorgeschlagen) nicht nur ausstechen, um kleine Böden zu erhalten, sondern auch horizontal durchschneiden (und vermutlich nicht nur einmal) - für Anfänger vielleicht nicht ganz so einfach, zumal im Rezept dazu keinerlei Tipps aufgeführt sind. Drittens: wäre nicht gerade der Biskuitboden der Teil zum Angeben? 
Und noch etwas ist mir aufgefallen: fast jedes Kapitel scheint Frau Moschners Lieblingskapitel zu sein. Schön, dass sie so viel Enthusiasmus an den Tag bringt - aber man fragt sich doch, ob der Verleger/Lektor/Herausgeber/Korrekturleser nicht verstanden hat, dass hier Superlative völlig falsch eingesetzt wurden. 
Auf der Pro-Seite muss ich allerdings festhalten, dass "Backen für Angeber(innen)" viele außergewöhnliche Rezeptideen bietet und Abwechslung in die Küche bringt, trotzdem aber auch ein paar Klassiker auf Lager hat. Auch sehr gut gefallen hat mir das Back-ABC am Anfang des Buches, in dem die Autorin auf wichtige Grundbegriffe eingeht und diese mit Humor erklärt. Das Lesen des Buches macht mindestens so viel Spaß wie das Ausprobieren der Rezepte. 
Insgesamt also ein sehr schönes Werk, das trotz einiger Schwächen im Großen und Ganzen überzeugt. Ein tolles Geschenk für Back-Anfänger ist es in jedem Fall! 

Jetzt schicke ich das Buch wieder auf die Reise und bin gespannt, wie die anderen Teilnehmerinnen mit ihren Backkünsten angeben! 



4 Kommentare :

  1. Na du Angeber?? Sahne mit der Hand zu schlagen kannst du dir wirklich auf die Stirn schreiben. Ich weiß, wie anstrengend das sein kann!!!
    Die Törtchen sehen klasse aus und die Buchrezension habe ich auch gerne gelesen!
    Alles Liebe, Cathi von Carpe Kitchen!

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    1. Haha, Cathi, ich muss ganz ehrlich sagen: ich war heilfroh, dass es nur ca. 40 g waren! Ich frage mich, wie die Leute das früher gemacht haben. Ich hab' noch ein altes Koch- und Backbuch, das schon fast 100 Jahre alt ist und darin werden Teige von Hand noch 45 Minuten lang geknetet oder sowas. Wie haben die Leute das durchgehalten?

      ♥sabrina

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  2. Sieht wirklich lecker aus, sehr schöne Fotos! :)

    Zu deinen Anmerkungen: Ich meine, bei _jedem_ Kapitel steht, dass es Ruths Lieblingskapitel sei. Ich hab das als (witzig gemeintes) Stilmittel verstanden ;) (kann man natürlich auch blöd finden, aber Absicht ist es bestimmt.)
    Und bei den Biskuitböden wäre ich davon ausgegangen, dass das die Mini-Tortenböden sind, die man (zumindest bei uns, und ich wohne in einem kleinen Kaff) in jedem Supermarkt neben den großen Tortenböden findet. Also, hier wäre es kein Problem, sowas aufzutreiben. Das horizontale Teilen ist dann schon schwieriger ...

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    1. Liebe Nria,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich hab auch lange in einem kleinen Kaff gewohnt und habe weder dort noch anderswo bisher die Mini-Tortenböden entdeckt, aber wenn es die tatsächlich gibt - umso besser! Trotzdem hätte ich es schön gefunden, wenn im Buch an einer Stelle ein passendes Rezept vermerkt gewesen wäre.
      Mit der Sache mit dem "Lieblingskapitel" hast du natürlich recht - es kann auch Absicht gewesen sein. Komisch fand ich es beim Lesen irgendwie trotzdem, aber vielleicht liegt das daran, dass ich immer wieder habe eingetrichtert bekommen, dass man Wiederholungen auf jeden Fall vermeiden sollte. :)

      ♥sabrina

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